Anke Bär zu Gast an der Realschule

Marktoberdorf: Die fünften Klassen der Marktoberdorfer Realschule konnten sich über zwei vergnügliche Unterrichtsstunden freuen. Im Rahmen des Allgäuer Literatur-Festivals war in der Aula Anke Bär zu Gast, die aus ihrem neuesten Roman „Kirschendiebe oder als der Krieg vorbei war“ las. Möglich war dies mithilfe eines finanziellen Zuschusses durch die Bildungs- und Inklusionskoordinationsstelle des Landratsamtes und des Friedrich-Bödecker-Kreises.

Im Mittelpunkt der 36 Kapitel ihres Buches steht die elfjährige Lotte, die nach dem Krieg mit ihrer Familie – der Vater kehrt erst später zurück – in ein leerstehendes Forsthaus einquartiert wird. Lotte, sie erzählt ihre Erlebnisse der Nachkriegszeit aus ihrem Blickwinkel, fühlt sich dort sehr wohl. Zusammen mit ihren Geschwistern geht sie auf Entdeckungstour, denn „die Erwachsenen waren zu beschäftigt“ und haben sich kaum um sie gekümmert. Von ihrer Tante Elli, die schon etwas moderner eingestellt war, bekommt sie eine Lederhose geschenkt, die sie jedoch nur zu Hause, aber nicht in der Schule tragen darf. „Die Lehrerin stieß spitze Schreie aus, als sie das Mädchen auf dem Dorfplatz“ damit sieht. Anke Bär unterbricht immer wieder ihre Lesung, um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. So wird der Unterschied zwischen der damaligen und der heutigen Zeit verdeutlicht. Die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass die Schulkinder nach Hause geschickt wurden, wenn ihre Kleidung – für die Mädchen natürlich nur Röcke oder Kleider – und die Fingernägel nicht sauber waren. Oder dass Frauen ohne Einwilligung der Ehemänner keine Arbeit annehmen durften.

Die Literatin, die ihre Bücher mit großartigen Bildern selbst illustriert hat und diese bei der Lesung auf eine Leinwand projizierte, verstand es, die Kinder sofort in ihren Bann zu ziehen. Im Gespräch mit ihnen gestand sie, dass beim Schreiben häufig Kindheitserinnerungen auftauchen, die sie dann in die Geschichte eingebunden hat. Am Ende der Lesung beantwortete sie die vielen Fragen der Kinder. Allerdings verriet sie nicht, wie der Titel des Buches zustande kam. „Das müsst ihr selbst herausfinden!“, sagte sie.  (gb)