Mit Leo Hiemer gegen das Vergessen

Am Montag, den 18. November, besuchte der Allgäuer Historiker, Buchautor und Filmemacher Leo Hiemer alle 10. Klassen der Staatlichen Realschule Marktoberdorf, um unter anderem aus seinem kürzlich erschienen Buch „Gabi (1937 – 1943): Geboren im Allgäu – ermordet in Auschwitz“ zu lesen. Dem preisgekrönten Regisseur gelang es auf beeindruckende Art und Weise, unsere SchülerInnen mit dem äußerst detailliert wiedergegebenen Schicksal der Gabi Schwarz für die Verbrechen in der NS-Zeit zu sensibilisieren. Gabi, die als Tochter einer jüdischen Frau in Marktoberdorf das Licht der Welt erblickte, galt im nationalsozialistischen Deutschland trotz ihrer Taufe und der katholischen Erziehung, die sie bei ihren Pflegeeltern in Stiefenhofen erfuhr, als Jüdin. Einzig und allein aus diesem Grund wurde das unschuldige Kind im Alter von fünf Jahren in Auschwitz vergast.

Nach jedem vorgetragenen Lebensabschnitt des Mädchens gab Leo Hiemer den Schülerinnen und Schülern Zeit, das Gehörte sacken zu lassen, begleitet von selbstkomponierten Stücken auf dem Flügel.

Im Anschluss an seine Lesung zeigte Leo Hiemer seinen Film „Leni… muss fort“, mit dem er das Schicksal der Gabi Schwarz bereits im Jahr 1993 einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine offene Diskussionsrunde, bei der der Autor den Fragen der SchülerInnen Rede und Antwort stand und ein Plädoyer für eine offene und tolerante Gesellschaft hielt, in der sich die Gräueltaten aus dem schlimmsten Kapitel der deutschen Geschichte nie wiederholen dürfen.

Daniel Mair