„Salve Auguste“

Warum die Schülerinnen und Schüler im Gänsemarsch an einer übergroßen Statue des römischen Kaisers auf dem Forum des APC mit einer lateinischen Grußformel auf den Lippen vorbeimarschierten, war nicht das einzig Befremdliche dieses Tages.
Auf die Spuren der Geschichte machten sich die Klassen 6a und 6b zusammen mit ihren Lehrern am 5. Juli, um so das im Unterricht Behandelte besser verstehen zu können, und das geht am besten vor Ort. Der Archäologische Park (APC) in Kempten bietet die Möglichkeit, sich auf eine Entdeckungsreise in die älteste schriftlich erwähnte Stadt Deutschlands zu begeben. Tempelbezirk, Kleine Thermen, Forum mit Basilika – ein Großteil der einstigen römischen Provinzhauptstadt ist dank archäologischer Funde am Hochufer der Iller in Kempten bis heute erkennbar. Von der Verehrung heidnischer Götter über antike Baukunst bis hin zur Badekultur im römischen Imperium erhielten die Marktoberdorfer einen spannenden Einblick in den Lebensalltag vor zwei Jahrtausenden. Ein glücklicher Zufall war, dass eine freundliche Dame mit robustem Schuhwerk im überdachten Erdloch viele Fragen der Schüler dazu beantwortete, was sie hier, ausgestattet mit zwei unterschiedlich großen Kellen, überhaupt macht. Zu graben und archäologische Forschungen durchzuführen ist in diesem Gelände auch heute noch an der Tagesordnung, obwohl vor über hundert Jahren schon ganz genau untersucht und aufgezeichnet wurde, was sich unter der Bodenoberfläche befindet. Für die Forscher ist neben den zahlreichen Hausfundamenten vor allem auch das interessant, was die damaligen ca. 3000 gallo-römischen Bewohner so alles verloren haben. Die wertvollsten Gegenstände waren wohl Goldstücke. Aber auch Werkzeuge, Öllampen, Statuen oder Schafswirbelchen für die Kinderspiele sind eindrucksvolle Zeugen einer längst vergangenen Zeit in Cambodunum, dem keltischen Namen für Festung an der Krümmung oder am krummen Zaun. Durch die Mitmachführung war es den Schülerinnen und Schülern an dieser Exkursion unter anderem möglich, wie ein römischer Schüler auf einem Wachstäfelchen zu schreiben, sich mit einer Tunika zu bekleiden oder die schicken Ledersandalen einmal auszuprobieren. Was sich aber wirklich keiner nehmen ließ, war einmal auf dem öffentlichen Klosett Platz zu nehmen. Dass man sich da zum Ratschen traf und das heutige Klopapier damals ein selbstmitgebrachtes Schwämmchen am Stock war, sorgte für viele Lacher. Aber winkend an einer Replik der antiken Augustusstatue vorbeizumarschieren und „Salve Auguste“ zu murmeln, hatte die Kinder sicherlich schon auf die fremden Sitten eingestimmt. Denn sie versuchten es mit diesem Brauch aus antiker Zeit, und vielleicht flog ihnen das Glück ja daraufhin wirklich zu.

Katrin Herz